Funkhaus Europa – Lokalmatador

Afro-Sound in Space-Gewand

Von Georg Milz

Sängerin Niasony aus Brazzaville im Kongo hat ihr Debüt veröffentlicht: “Afroplastique” ist bespickt mit viel Lebenserfahrung und ihrer eigenen Vorstellung von einer Melange aus treibendem Reggae, Melancholie und hypnotischem Afrobeat.

Wer bist du und was kannst du uns über dein Outfit verraten?

Niasony: Ich bin die Niasony und komme aus dem Kongo. Ich bin hier in Deutschland aufgewachsen. Ich habe meistens zwei Antennen auf dem Kopf. Sie sind zu meinem Erkennungsmerkmal geworden. Wenn ich Leuten auf der Straße begegne, begrüßen sie mich manchmal als Biene Maja. Aber das hat nichts mit den Fühlern der Zeichentrickfigur zu tun sondern mit meiner Kultur. Ich versuche über die beiden Antennen mit meinen Vorfahren in Kontakt zu treten. Sie geben mir die Inspiration für meine Musik.

Was genau meinst du mit deinem Albumtitel: Afroplastique?

“Afroplastique” nenne ich meinen Style. Die Silbe “Afro” steht für meine afrikanischen Wurzeln und Plastik ist ein Synonym für die Armut. Ich erinnere mich noch sehr genau an meine ersten Plastikschuhe. Ich trug sie jeden Tag, sie waren sehr stabil und einfach nicht kaputt zu kriegen. Porzellan zerspringt und Glas zerbricht aber Plastik hält selbst den größten Belastungen stand. Es ist für mich zum Symbol meiner Identität geworden. Auch ich bin schwer klein zu kriegen und werde niemals aufgeben.

Wann bist du nach Deutschland gekommen?

Ich kam 1987 zum ersten Mal nach Deutschland. Vom Gymnasium im Kongo ging es direkt nach Kempen wo meine Mutter lebte. Ich war gerade 13 Jahre und war schockiert: Alles war grau und ich hatte keine Freunde mehr. Dazu kam, dass ich mich mit meiner Mutter gar nicht verstand. Und obendrein war mein Stiefvater auch noch Alkoholiker. Mit einer solchen Situation musst du erst mal zurechtkommen, daran denkt doch keiner wenn er nach Deutschland geht. Heute sehe ich mich als eine Art Brücke zwischen den verschiedenen Kulturen. Allerdings war es ein langer Weg, herauszufinden was meine Kultur ist und wohin ich gehöre, da musste ich viel drüber nachdenken. Meine Oma hat mal gesagt, bevor ich nach Europa kam: Vergesse nie woher du kommst. Die meisten Menschen die nach Europa kommen, vergessen das aber. Sie denken, jetzt bin ich in Europa und mir geht es gut, alles andere interessiert mich nicht mehr. Ich will jetzt eine Weiße sein oder ich will jetzt so tun wie Beyoncé. Man versucht sich anders zu machen als man ist, dabei verliert man seine Kultur.

Hat dein Name Niasony eine Bedeutung?

Niasony bedeutet die Schüchterne. Mit meiner Musik versuche ich heute meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Ob sie nun negativ oder melancholisch sind, ich stecke alles in meine Musik. Nur so kann ich eine ehrliche Message an die Leute schicken. “Es ist besser im Regen zu tanzen als auf die Sonne zu warten”, das Sprichwort bringt ganz gut auf den Punkt, worum es mir dabei geht. Was bringt es denn, wenn heute Krieg ist, den ganzen Tag zu weinen? Du kannst nicht jeden Tag weinen. Es gibt Pausen dazwischen wo man auch Lachen kann und so weiter, auch wenn Krieg ist. Man kann die Leute nicht stoppen schöne Gefühle zu haben, auch nicht wenn sie viele negative Erfahrungen machen mussten.


Quelle: Georg Milz, Funkhaus Europa


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